Staraja Russa

Stadtgeschichte

Die historische Beistadt Nowgorods. Die Stadt Staraja Russa liegt südlich von Nowgorod an den Ufern des Flusses Polist und seines rechten Nebenflusses Porussja.

In einer Legende erählt man folgende Geschichte: Lange Zeit wanderten die Brüder Slowen und Rus auf der Suche nach neuem Land umher. Da ging der jüngere Bruder Rus bis an den Zusammenfluß zweier kleiner Flüßchen und erbaute Russa, und die Flüsse nannte er zu Ehren seiner Frau und seiner Tochter Polist und Porussja.

Die Landschaft Staraja Russsa ähnelt der Nowgoroder ebenso wie sie sich von ihr unterscheidet. Staraja Russa ist mit seinen stillen Uferstraßen und gemütlichen Gassen viel anheimelnder. Durch seine architektonischen Vorzüge gewinnt Staraja Russa jene Anziehungskraft, die die Vergangenheit und Gegenwart der Stadt widerspiegelt.

Staraja Russa, die Stadt, die in ihrem Namen die Bezeichnung für den altslawischen Völkerstamm der Russen bewahrt hat, wurde im 11. Jh. erstamlig urkundlich erwähnt. Jedoch zeugen die archäologischen Forschungen der jüngsten Zeit von der Existenz enger wirtschaftlicher Beziehungen zwischen Staraja Russa und Kiew im 10. Jh., von dem Weg „aus der (Kiewer)Rus nach Russa in Nowgorod“, wie später eine Chronik zu berichten weiß. Von der ersten Erwähnung in einer Nowgoroder Chronik des 12. Jh. bis zum Beginn des 16. Jh. wird die Stadt in allen schriftlichen Quellen als Russa geführt, und erst im 18. Jh. wird die Bezeichnung durch den neuen Namen Staraja (Alte) Russa verdrängt.

Sowjetische Wissenschaftler stellten Hypothesen auf, nach denen Staraja Russa in der ersten Zeit seines Bestehens nicht so sehr für den Handel als für die Industrie Bedeutung hatte, da sich in unmittelbarer Nähe der Stadt reiche Mineralsalzquellen befanden. Allerdings ist bis heute unbekannt, wann die Ausbeutung dieser Quellen begonnen hat. Bei Ausgrabungen in den 70er Jahren wurden nun auf dem Territotium von Russa in den ältesten Schichten einige Salzsiedereien, vielerlei Reste von Salzsiedeöfen und eisernen Salzpfannen sowie Fässer und Zuber mit versteinerten Salzresten entdeckt. Diese Funde wie einige ebenfalls aus der Erde von staraja Russa geborgene Texte von Birkenrindenurkunden mit Ratschlägen zum Salzhandel aus dem 10. Und 11 Jh. bestätigen die Vermutung, dass die Stadt der Salzgewinnung ihre Entstehung und Entwicklung verdankt, die wahrscheinlich noch viel älter als die Stadt selbst ist.

Den größten wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung erreichte russa im 14. Und 15. Jh.

Seit der Schaffung des russichen Zentralstaates flossen die recht großen Gewinne aus der Salzdiederei von Russa in die Kasse dieses Staates. Im 16. Jh. war russa diejenige Stadt, die den höchsten Tribut im Lande zu haben hatte; dieser war 1,5 mal höher als der der Hauptstadt Moskau und 3mal höher als der Nowgorods.

Zu Beginn des 17. Jh. erlitt die Stadt infolge der „Wirren“ und der polnisch-schwedischen Intervention riesiegen Schaden. Die Stadt wurde unmittelbar in die Kriegshandlungen einbezogen und war Raubzügen und Zerstörungen ausgesetzt.

Im Juli 1611 besetzte schwedisches Heer Staraja Russa. Die Eroberer errichteten auf der Insel am Zusammenfluss von Pererytiza und Polist eine Festung, um ihre Positionen in der Stadt zu untermauern.

Die Bürger der Stadt erhoben sich zu einem Befreiungskampf, der bei der Vernichtung der Interventen eine entscheidende Rolle spielen sollte. Bei Staraja Russa kämpfte erbittert eine aus 2 500 Mann bestehende Abteilung unter Führung von Andrej Palizyn. Als sich in der feindlichen Garnison Hunger und Epedemien ausbreiteten, waren die Endringlinge gezwungen, Staraja Russa zu verlassen. Nach dem Stolbewer Frieden sagte sich Schweden von seinen Ansprüchen in bezug auf die Mehrzahl der russichen Städte, unter anderem auch auf Staraja Russa, los.

Die Stadt bot einen öden leeren Anblick: Von seinen 25 000 bis 30 000 Einwohnern waren ganze 38 übriggeblieben. Um die Stadt so schnell wie möglich wieder aufzubauen, wurden Bewohner aus anderen Städten hierher umgesiedelt. Trotz einiger Pestepedemien, trotz Feuersbrünsten und Überschwemmungen begann die allmähliche Wiedergeburt der Stadt. Wieder standen die Rauchfahnen über den Salzsiedereien, wieder verließ ein mit Salz beladenes Fuhrwerk nach dem anderen die Stadt.

Das mittelalterliche Russa erinnerte an das Nowgorod aus dem 12.-15. Jh. Hier gab es die gleichen gewundenen holzgepflasterten Straßen. Gezimmerten Holzhäuser und-hütten sowie Kirchen. In der Umgebung der Stadt wuchsen ebenso wie in Nowgorod Klöster empor.